
Die Ev. Gemeinde Deutscher Sprache Toyko/Yokohama bittet um Spenden für vier Gemeinden in der Stadt Kamaishi.




Die Stadt Kamaishi in der Iwate Präfektur wurde im Anschluss an das Seebeben bei Sendai am 11.03.2011 von einer über 10 m hohen Welle überspült.
Im Folgenden wollen wir Ihnen zunächst einen Bericht zur Lage und zu Herrn Pfarrer Haruo Ota geben, der dort seine ehemalige Gemeinde von der nächsten Woche an betreuen wird.
Pfarrer Haruo Ota ist z.Z. Pfarrer der Chiyoda Kyokai Kyodan Kirche in Tokyo-Mitte und ist auch Vorsitzender des Sonderausschusses für die Erdbebenhilfe im Kyodan-Kirchenkreis Nord-Tokyo.
Pfarrer Ota empfielt uns, die folgenden vier Gemeinden des Kirchenbezirks Ouu zu unterstützen, die besonders hart vom Erdbeben getroffen sind.
1. Shinseikamaishi Kyokai

Diese Gemeinde wurde von einer 4 m hohen Welle überspült.
Ihr Pfarrer ist nachdem er seit dem 11. März durchgearbeitet hat, vollkommen erschöpft.
Herr Ota wird für einige Zeit in der Shinseikamaishi Kyokai den Ortspfarrer vertreten und somit am Ort für die Gemeinde da sein und uns Auskunft geben können.
Wir werden Ihnen regelmäßig über seine Tätigkeit berichten. Herr Pfarrer Ota hat diese Gemeinde früher selbst als Pfarrer betreut. Er kennt die Menschen und genießt ihr Vertrauen.
Dass eine Vertrauensperson vor Ort ist, ist im Moment das Wichtigste.
Die Gemeindemitglieder in Kamaishi sind erschöpft. Sie haben ihre Häuser verloren, ihre Arbeit und sind seelisch wie körperlich am Rand ihrer Kräfte. Viele von ihnen wohnen in Notunterkünften.
Erwarten Sie bitte nicht, dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine aktive Kontaktaufnahme zu einzelnen Personen oder Familien möglich ist.
Zudem funktionieren derzeit die Telefonleitungen nicht. Erste Priorität hat nicht der Wiederaufbau der Kirche.
Die Gemeinde wird die Stadt bei ihren Wiederaufbauarbeiten unterstützen.
Die Kirchengemeinde kann langfristig nur weiter existieren, wenn auch die Stadt Kamaishi wieder aufgebaut wird. Deshalb wird die örtliche Kommune eng mit der Gemeinde zusammenarbeiten.
Der städtische Kinderhort Kamaishi Hoikuen muss wieder aufgebaut werden.
Die Zukunft für Kinder und Familien muss gesichert werden.
Die schon jetzt sichtbaren „vordringlichen“ Aufgaben sind:
Barmittel zur Soforthilfe, mit dem Pfarrer Ota Sachspenden kaufen kann, die unbürokratischan die betroffenen Familien vor Ort gehen wird.
Nach und nach wird es nötig sein, einen kleinen Gebrauchtwagen für den Sozialarbeiter, der für die Stadt Kamaishi die sozialen Dienste organisiert, sowie einen weiteren Gebrauchtwaren für den Pfarrer der Kamaishi Kyokai zu besorgen. Solche Gebrauchtwagen sind im Raum Tokyo für unter 10.000 EUR erhältlich.
2. Miyako Kyokai
In dieser Gemeinde werden mehre Gemeindeglieder, sowie Personal und Familien des Kindergartens vermisst.
Die Kirche wurde von einem 1,5 m hohen Tsunami erfasst.
3. Ofunato Kyokai
Viele Gemeindeglieder haben ihre Häuser verloren und brauchen dringend Hilfe.
Die Kirche selbst liegt auf höherem Gelände und ist weitgehend unbeschädigt geblieben.

In der Gemeinde werden vier Mitglieder noch immer vermisst. (Stand: 3. April 2011)
4. Senmaya Kyokai
Die Kirche ist vom Erdbeben völlig zerstört. Ebenso der zur Gemeinde gehörende Kindergarten (Osanago Yochien), der bald möglich wieder sein Arbeit aufnehmen soll.
Ein Gemeindemitglied der Senmaya Kyokai lebt in dem Dorf Otsuchimachi in der Nähe der Stadt Kamaichi. Dieses Dorf wurde gänzlich zerstört.
Für diese vier Gemeinden im Kirchenbezirk Ouu haben wir in Herrn Pfarrer Ota einen guten Ansprechpartner.
Bei diesem Spendenprojekt will die Ev. Gemeinde Deutscher Sprache die Mittelverteilung in die Hand von Pfarrer Ota legen und bittet Sie um Ihr Vertrauen.
Wir werden Sie in regelmäßigen Abständen über die Fortschritte des Projekts auf unserer Homepage – www.kreuzkirche-tokyo.jp - informieren.
Ein Wort des Apostels Paulus in seinem 2. Korintherbrief möchten wir Ihnen zitieren: „6 Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. 7 Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“
Der Gemeindekirchenrat der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache Tokyo/Yokohama
Tagebuch 16.04.2011
Die Ereignisse haben sich überschlagen.
Der TüV - Rheinland hat in der Deutschen Schule eine Veranstaltung zu Informationen zum Strahlenschutz durchgeführt. Die Erklärungen, was Sievert-Werte und Becarel - Werte aussagen, hat ein klareres Bild von den tatsächlichen Geschehnissen rund um das Kraftwerk Fukushima 1 vermittelt. Das war sehr beruhigend, wenn auch klar war, dass die Gefahren nicht weg sind, aber beobachtet werden.
Einige LehrerInnen bieten in den Räumen der Deutschen Schule pädagogische Betreuung für die SchülerInnen an, die in Tokyo geblieben oder zurück gekommen sind, damit sie zumindest die Gemeinschaft in den Schulräumen erfahren und nicht allein zu Hause die übers Internet verschickten Aufgaben bearbeiten müssen.
Das Abitur des diesjährigen Doppeljahrgangs wird nun in Köln abgenommen werden. Die unterrichtenden LehrerInnen müssen dazu anreisen.
Wann die deutsche Schule wieder offiziell öffnet, ist ungewiss.
Manchmal habe ich Angst, dass die deutsche Community in Japan auseinander fällt. Aber ich hoffe, dass die Familien, die ihre Kinder in Deutschland beschulen lassen, nach den Sommerferien zurückkehren.
Viele Kinder haben ihre Eltern im Tsunami verloren. Und auch Studenten in Tokyo stehen plötzlich ohne Unterstützung da, weil ihre Familien alles verloren haben.
Unser Spenden - Projekt nimmt Formen an: Wir sind im Kontakt mit dem Erdbeben-Sonderausschuss des Kirchenkreises Tokyo-Nord. Dessen bisheriger Vorsitzender, Pfarrer Ota, vertritt jetzt für einen Monat den Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Kamaishi, einer Stadt in Nordjapan, die auch sehr stark vom Erdbeben und Tsunami zerstört ist. Herr Ota ist unser Ansprechpartner für die Unterstützung dieser Region. Einzelheiten habe ich in der Projektbeschreibung ausgeführt.
Anfang Mai werden einige Gemeindeglieder in die Region fahren, um sich an Ort und Stelle zu informieren und persönliche Kontakte aufzunehmen. Da sich die Hilfe-Bedürfnisse täglich ändern – die Menschen zeigen sehr viel Eigeninitiative - müssen wir in ständigem Kontakt sein.
Altbotschafter Hans-Joachim Daerr hat jetzt im Auftrag der Deutschen Botschaft die Spendenkoordination hier in Japan übernommen. Das Netzwerk der Helferinnen und Helfer wächst auch auf deutscher Seite.
Unser Privatleben leidet unter der neuen Situation, an die wir uns ständig wieder anpassen müssen. Ich habe meinen Japanisch-Unterricht erst einmal abgesagt. Naoto hat schon seit einige Wochen keinen Flötenunterricht mehr nehmen können, weil einfach die Ruhe zum Üben nicht da ist.
Die Uni meines Mannes hat ihre Unterrichtszeiten reduziert: es wird später angefangen und früher aufgehört, damit auch die Studentinnen, die weit anreisen müssen, mit dem durch Stromeinsparungen reduzierten Zugverkehr zu Recht kommen.
Immer wider bekommen wir die Frage: wie bloß können die Japaner eine Katastrophe solchen Ausmaßes bewältigen und dabei noch seelisch einigermaßen gesund bleiben?
Ich erkläre mir Einiges so: Japaner sehen sich als Teil der Natur und rechnen dementsprechend mit der Gewalt der Natur. Sie gehen damit sachlich, pragmatisch und Schicksals ergeben um.
Dennoch sind sie technikbegeistert und sparen nicht unbedingt Strom. Trotz großer Ökobewegung, die leider von den Medien weitgehend ignoriert wird, scheint das Ökobewusstsein des Einzelnen, besonders im großen Ballungsraum Tokyo nicht sehr ausgeprägt.
In der Stadt Onnagawa steht ein ganz ähnlicher Reaktor, allerdings höher über dem Meeresspiegel. Dort war das Notstromsystem intakt und die Kühlung ging ungehindert weiter, obwohl weite Teile der Stadt zerstört sind.
Inzwischen hören wir von Bekannten, die sich als freiwillige Helfer melden und ins Erdbebengebiet fahren. Manche im Lastwagenkonvoi mit Hilfsgütern. Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Kobe ist zusammen mit der Kwansai -Universität in solch einem Projekt engagiert.
Manche in Deutschland fanden die öffentlichen Auftritte von Tepco-Experten ziemlich diletantisch, entmutigend, beängstigend. Aber hier zu Lande findet man solch eine Selbstdarstellung an einem bescheidenen Tisch in einem engen Raum, vier Leute in Arbeitsuniformen, stotternd, ehrlich und der schwierigen Situation angemessen. Wenn jetzt jemand hier sich ganz eloquent und perfekt darstellen würde, hätten die Leute das sichere Gefühl, dass so jemand etwas zu verbergen hätte.
In Deutschland schätzt man, denke ich, Sachlichkeit und die Aussage von Zahlen und Daten. So beruhigt es uns außerordendlich, jetzt jeden Tag vom Tüv Rheinland die aktuellen. Radioaktivitäts-Messdaten zugeschickt zu bekommen mit einem netten Anschreiben: wenn keine besonderen Vorkommnisse sind, bekommen Sie pro Tag nur ein Messergebnis zugeschickt.
Regierungssprecher Edano hat betont: die schlechteste Nachricht muss zuerst angesagt werden, offen und ehrlich. Aufgabe der Regierung und der Medien ist dann, diese zu kommentieren. Schweigen ist nicht am Platz.
Premierminister Kan hat unmittelbar nach der Katastrophe morgens um 5:00 Uhr die Tepco-Zentrale besucht, um seinem Ärger Luft zu machen: „Wenn ihr so weiter macht, so schlecht organisiert, so schlecht koordiniert, so schlecht uns alle informiert, dann wird es euch ziemlich bald nicht mehr geben.“
Entschuldigt, wenn dieser Brief so fragmentarisch daher kommt.
Es ist nicht einfach, neben der wieder „normalen“ Arbeit, die täglichen Nachrichten für euch aufzubereiten.
Morgen beginnt die Karwoche. Seid alle gesegnet.
Elisabeth Hübler-Umemoto
Tagebuch 19.03.2011
Was früher ein Hintergrundgefühl, ist jetzt eine beängstigende Wirklichkeit:
Je nach dem, wo ich bin, wird für mich die Sache so oder so ausgehen.
Beim Erdbeben in der Autoschlange in einer Unterführung und oben das Meer, war eine im Hintergrund mitschwingende Möglichkeit, die man verdrängen muss, sonst kann man nicht in einem Erdbebenland leben.
Jetzt ist weiter in den Fordergrund gerückt der Gedanke: zwar fühle ich mich in Tokyo nach wie vor sicher, aber wenn etwas passiert, wird der Strom der Flüchtenden riesig sein. Tagsüber verdränge ich solche Gedanken, abends falle ich erschöpft in den Schlaf, aber morgens ab fünf, halb sechs sind sie gegenwärtig und treiben mich in den Tag.
Gestern, Freitag, wurden im ganzen Land Schweigeminuten eingehalten: 14:46 Uhr am 13.11.2011 ist jetzt eine Zeit, die nicht nur die japanische Geschichte verändern hat und verändern wird. Die ganze Welt ist mit betroffen. Bitte, lasst Japan nicht allein!
Morgen halten die in Tokyo Verbliebenen Gottesdienst in unserer Kreuzkirche. Ich wäre gerne dabei, ich denke ständig: das geht doch nicht, dass ich nicht dabei bin. Aber einige Tage Auszeit sind jetzt wichtiger. Wir werden mit dieser Katastrophe noch sehr lange befasst sein. Segen über euch, die morgen in der Kirche zusammen beten werden!
Das Personal der Deutschen Botschaft zieht nun heute auch in die Räume des Generalkonsulats in Osaka.
Im Erdbebengebiet sind die Helfer nun seit einer Woche fast pausenlos im Einsatz.
Viele Präfekturen haben leerstehende Sozialwohnungen für Erdbebenopfer geöffnet. Im Losverfahren werden sie verteilt. Auf diese Weise begeben sich die Familien, die können, in andere Landesteile und integrieren sich dort mit Leben und Arbeit bis auf weiteres. Immer noch gibt es Bereiche, die nicht zugänglich sind, weil Verkehrswege zerstört wurden. Von dort erhalten die Medien Handyfotos und knappe Berichte, wie man sich so gut es geht, selber hilft.
Jedes öffentliche Gebäude hat in Japan einen Vorrat an Wasser- und Essensrationen für den Katastrophenfall, die einige Tage reichen. Aber nun ist schon eine Woche vergangen. Tanklaster mit Benzin sind verstärkt unterwegs ins Katastrophengebiet. Firmen spenden die jetzt benötigten Waren und bringen sie zu den Erdbebenopfern: Eine Flugzeugladung mit Reisschnitten, von denen eine im Notfall als Tagesration ausreicht, gespendet von einer großen Conveniensstorekette. Wagenladungen mit Kohlköpfen, 10.000 Gaskocher, Unterwäsche, Oberbekleidung und natürlich Wasser…
Andere Institutionen schicken Mitarbeiter ins Katastrophengebiet: Ich sah ein Meeting von 200 Mitarbeitern der Gaswerke. Sie werden von Haus zu Haus gehen, um das Gas wieder zu installieren, damit endlich Heizung und Kochmöglichkeit zurückkehrt. Lastwagen mit Arzneimitteln fahren von Notunterkunft zu Notunterkunft. Ärzte untersuchen die Betroffenen und geben notwendige Medikamente heraus. Für chronisch Kranke lebensrettend.
Leider ist die Kälte für viele immer noch unausweichlich, aber Wagenladungen mit Mattratzen und Decken helfen, solange noch kein Kerosin für Öfen durchgekommen ist.
Jetzt, Ende März, ist die Zeit der Examensfeiern. Der Abschied vom Kindergarten, von der Grundschule, Mittelschule, Oberschule, sowie der Universitätsabschluss werden überall im Land in feierlichen Zeremonien zelebriert. Mit Rücksicht auf die vielen Erdbebenopfer fallen viele dieser Zeremonien ganz bescheiden aus. Aber sie sind auch Zeichen der Hoffnung auf eine Zukunft, die für viele noch gar nicht sichtbar ist.
Aus Deutschland höre ich Stimmen, die Unverständnis ausdrücken: „Unser technisches Hilfswerk steht in den Startlöchern, aber die wollen unsere Hilfe ja gar nicht.“ Wer so leichtfertig spricht, macht sich nicht klar, dass ein Team, ohne Englischkenntnisse, ohne Ortskenntnisse, ohne eigenes Transport-Equipment am Ort der Katastrophe nicht Hilfe, sondern Belastung ist.
Beim großen Beben in Niigata rückte eine Gruppe spontan an ohne eigene Versorgungseinheit. Sie wollten sich dann aus den Rationen für die Opfer bedienen. Diese Gruppe bekam gewaltigen Ärger: „Wie könnt ihr uns das wenige, was wir jetzt zu essen haben, noch wegessen!“
Helfen soll nur, wer wirklich hilft. Wir anderen müssen uns gedulden, bis uns mitgeteilt wird, an welcher Stelle freiwillige Helfer sich wirklich sinnvoll einsetzen können. Bis dahin sind Gebete und Spenden die beste Hilfe.
Die Messwerte in Tokyo sind weiterhin auf natürlichem Niveau. Wir beten und bangen für die Männer, die all ihr Können einsetzen, um den Reaktor Fukushima 1 in den Griff zu bekommen.
Elisabeth Hübler-Umemoto
21. 03.2011 Tagebuch
Gestern haben wir zwei Gottesdienste gefeiert. Einer fand in unserer Kreuzkirche ohne Pfarrerin statt, ein weiterer mit Pfarrerin im Mariot - Hotel in Nagoya.
Ich freue mich sehr und bin stolz auf die in Tokyo verbliebene kleine Gemeinde, die sich tapfer selbst organisiert und Gottesdienst feiert. Das Priestertum aller Gläubigen hat sich hier bewährt.
Am Nachmittag schickte mir ein Gemeindeglied ein buddhistisches Gebet, das Monatsgebet vom Zojoji-Tempel in Tokyo:
„Freude:
Honen (dem Gründer der Jodoshu-Richtung im japanischen Buddhismus) sei Dank.
Das tägliche Gebet (die Anrufung Buddhas) macht Leib und Seele lebendig.
Frühlingswinde wehen, Bäume und Blumen entfalten Blätter auf ihren Ästen,
lehren uns, den Augenblick zu leben.“
Mein Mann und ich sind unglaublich müde – so reagiert der Körper auf die Erfahrungen der vergangenen Tage. Von anderen weiß ich, dass sie mit Bauchkrämpfen zu tun haben.
Aber was ist das alles angesichts der Aufräum- und Trauerarbeit, die die Menschen im Erdbebengebiet durchzustehen haben.
Die Medien hier in Japan zeigen jetzt Rettungsgeschichten, neu geborene Kinder, Menschen, die sich weinend in den Armen halten, weil sie einander wiedergefunden haben. Gezeigt werden Helfer, die einfach alten Menschen die Hand halten und sie erzählen lassen. Helfer, die Sachspenden verteilen helfen, die sich an den Aufräumarbeiten beteiligen. Und doch weiß man, dass, was sie nicht zeigen, die Bergung der vielen tausend Toten ist. Die jungen Männer der Selbstverteidigungsstreitkräfte, diese schwere Arbeit tun, werden noch lange psychologische Hilfe brauchen
In unserem kleinen Kreis beginnen erste Überlegungen, was wir als Gemeinde konkret beitragen können. Bisher arbeiten die großen Hilfsorganisationen und japanischen NGOs. Morgen nimmt das Rathaus Shinagawa (in diesem Stadtbezirk liegt unsere Kirche) Sachspenden von Privatpersonen entgegen. Auf der website ist genau angegeben, was benötigt wird. So organisieren sich nach und nach die Kommunen landesweit, so dass jede und jeder etwas beitragen kann.
Wir lesen uns durch die kirchlichen Webseiten und zu gegebener Zeit wird sich ein Projekt zeigen, das wir unterstützen können.
Ein japanischer Kollege schrieb mir: In den am schlimmsten Zerstörten Gebieten wird es ca. drei Monate dauern, bis die Gasversorgung wieder funktioniert. Zerstörung auf einer Küstenlänge von 400 km mit den Wassermassen, die bis zu 10 km ins Land eingedrungen sind. Im ganzen Land bewegen sich die Menschen, um zu helfen. Die Busfahrer der Deutschen Schule sind mit drei Bussen nach Norden gefahren und haben 50 Menschen nach Yokohama geholt. Musiker treten ohne Gage auf und sammeln Spenden, Sportler beteiligen sich in ähnlicher Weise, jede und jeder entwickelt Ideen, die weiterhelfen. Das ist ermutigend.
Bleibt alle behütet
Elisabeth Hübler-Umemoto
24.03.2011 am Abend
Die Hilfsmaßnahmen greifen jetzt nach und nach. Leider noch nicht an allen Orten, aber vielerorts sind die Straßen frei geräumt, so dass die Hilfsgüter durchkommen.
Heute früh wurde die Autobahn nach Norden wieder für den allgemeinen Verkehr freigegeben. Jetzt können auch privat organisierte Hilfen ins Erdbebengebiet gebracht werden.
Aber auch die Menschen im Erdbebengebiet helfen sich gegenseitig.
Der folgende Link enthält einen bericht, wie in den zerstörten Kommunen die Menschen zusammenstehen und geben, was sie können:
http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-12845419
Die deutsche Schule hat noch eine weitere Woche geschlossen. Noch sind von der Deutschen Botschaft nur tageweise Reisen nach Tokyo empfohlen.
Das zwischenzeitlich mit Caesium belastete Trinkwasser ist seit heute – das Wetter ist heute schön - wieder unterhalb des Grenzwertes für Kleinkinder.
Diese Sorge wird uns, wenn es regnet, wohl noch einige Zeit begleiten.
Gestern hörte ich den Bericht eines Experten für Katastrophenhilfe, der sagte: Langfristig scheint mir das chinesische Modell, entstanden aus den Erfahrungen mit dem verheerenden Erdbeben in der Provinz Sichuan 2008, sehr nachahmenswert. Und zwar, dass jeder Stadt in Japan, die nicht betroffen ist, eine Stadt, ein Ort zugeordnet wird, der vom Erdbeben zerstört ist. So entstehen Hilfepartnerschaften, die dann auch die Weitergabe von Spenden und Hilfsmaßnahmen besser überschaubar machen. Wo Menschen einander Begegnen und aus den persönlichen Beziehungen heraus gute Hilfen leisten.
Heute hat sich das Grand Prinz Hotel in Tokyo-Akasaka gemeldet: wir verschieben unsere Renovierung und stellen unser Haus Erdbebenopfern zur Verfügung, ebenso kam ein Kreuzfahrtschiff mit dem gleichen Angebot.
Die Aufräumarbeiten stehen immer wieder vor ungeahnten neuen Problemen. Tausende von Autos haben die Tsunamiwellen weggespült. Aber sie sind ja nach wie vor im Privatbesitz und können nicht einfach abgewrackt und weggeräumt werden. Ebenso die vielen Dinge, die aus den Häusern gespült wurden und völlig durcheinander in der Gegend herumliegen.
Die Regierung überlegt jetzt, ein Ausnahmegesetz für den Katastrophenfall zu erlassen, das das Eigentumsrecht einschränkt. Es ist einfach unmöglich, jeden Besitzer ausfindig zu machen, bevor man ein Fahrzeug, eine Maschine, ein Schiff wegräumen kann. Dass die Gegend frei und nach und nach wieder begehbar bzw. bewohnbar wird, hat Priorität.
Uns geht es weiterhin gut. Wir sind jetzt als Gemeinde fast in alle Winde zerstreut. Aber über die Mail und über das Telefon halten wir so gut es geht Verbindung.
Heute kam der erste Kontoauszug. Herzlichen Dank allen, die Spenden gesammelt haben. Sobald wir genau abgestimmt haben, wohin konkret Ihre Spenden weitergereicht werden, schreiben wir einen Bericht.
Elisabeth Hübler-Umemoto